“Übersetzen” in Formbegriffe

„Formbegriffe“, was ist damit gemeint?

Wenn wir etwas fühlen, fällt uns in den allermeisten Fällen ein Begriff dazu ein. „Traurig“, „fröhlich“, „genervt!“, … Dies sind Worte; „Wortbegriffe“.

Worte sind alte Bekannte, sie wurden 1000 mal benutzt. Sie wurden auch schon von unseren Eltern, von unseren Freunden und von zum Teil sehr unangenehmen Menschen in unserer Umgebung benutzt. Wortbegriffe haben eine Geschichte. Diese Spuren der Vergangenheit haften unseren Worten an und prägen sich auch wieder auf unseren Gefühlen ein, die wir mit ihnen beschreiben.

Dann kommt es aber auch vor, dass unsere Gefühle einfach unbeschreiblich sind. In diesem Fall kommen wir mit unseren bekannten Wortbegriffen an Grenzen. Wir haben Schwierigkeiten uns über diese Gefühle sicher zu werden. Wir haben Schwierigkeiten uns mitzuteilen. Bei emoflex gehen wir an dieser Stelle konsequent von den Wortbegriffen weg und zu den „Formbegriffen“ über. Wie im Basiswerkzeug gezeigt fragen wir uns entlang der Sinnesqualitäten sozusagen von unserem Gefühl her zu einer Form durch. Hier noch einmal eine mögliche Abfragereihenfolge:

  • Ist diese Emotion eher schwer oder eher leicht?
  • Möchten Sie als Beschreibung für diese Emotion eine eckige oder eher eine runde Form nehmen? – Welche möchten Sie auswählen?
  • Fällt Ihnen eine Farbe zu Ihrer Emotion ein?
  • Sollte die Konsistenz Ihrer Form fest, flüssig oder gasförmig sein?
  • Die Form könnte auch eine Bewegung ausführen, wenn sie Ihre Emotion so besser beschreiben würde.
  • Wenn Sie ganz gründlich sein möchten, können Sie nun noch eine Temperatur, ein Geräusch und einen Geruch zuordnen.
  • Beschreiben Sie nun noch einmal Ihre Übersetzung und stellen Sie fest, wo im Raum Sie sich die Form vorstellen.

Mit diesem Formbegriff erhalten wir eine vorstellbare Vergegenständlichung unseres Gefühls oder auch unseres Zustandes. Dieser Begriff ist begreifbar, d.h. erfahrbar. Wie wir noch sehen werden, hat das nicht unbedingt im herkömmlichen Sinne etwas mit „Verstehen“ zu tun, hat aber einige andere Vorteile:

Formbegriffe -

  • stabilisieren Gefühle.
  • verbessern die Erinnerbarkeit.
  • sind „steril“. Sie werden frisch hergestellt und haben so keine Geschichte.
  • ermöglichen es uns, mehrere Zustände oder Gefühle zugleich aufzurufen.
  • machen Gefühle und Zustände für die sog. „wache REM-Verarbeitung“ zugänglich.

Im emoflex-Konzept übersetzen wir alles Erinnerbare und Erlebbare immer erst in einen Formbegriff.

Es kommt immer wieder vor, dass Selbstanwender anfänglich Startschwierigkeiten mit „dem Übersetzen“ haben. Dann scheint es so zu sein, dass diejenigen nichts mit der Abfrage hin zu den abstrakten Formbegriffen anfangen können. Die Erfahrung zeigt aber, dass das Übersetzen nach einer ersten Erfahrung die gelungen ist, nahezu jedem möglich ist.

Vielen fällt der Einstieg in diese Technik mit halbfertigen Formen leichter. Versuchen Sie es einmal mit Obst- und Gemüse-Formen. Finden Sie zu einem Zustand, zu einem Gefühl etwas vom Markt, was in etwa passt. Passen Sie diese Form nun noch weiter an. Gehen Sie seine Eigenschaften z.B. Gewicht, Oberfläche, Frische, Geruch, Größe, … weiter mit Blick auf ihr Gefühl durch und passen sie es weiter an. So erhalten Sie auch einen Formbegriff.

Eine Dame lies sich einmal emoflex von mir am Telefon erklären. Sie hatte auch Schwierigkeiten mit abstrakten Formbegriffen. Ich fragte sie damals nach ihrem Quelle-Katalog und lies sie die Schuhe aufschlagen: „Welches Paar würden Sie in Ihrer heutigen Stimmung zuerst anprobieren?“ Sie wählte eines aus. Nach den 10 Augenbewegungen hatte sich ihr Gefühl verändert. Aus Stiefeln waren Halbschuhe geworden. Dann wurden es Sandalen und am ende wählte sie Badelatschen aus. Sie hatte sich spürbar entspannt. Von da an hatte sie keine Schwierigkeiten mehr mit den abstrakten Formbegriffen, weil sie es einmal erlebt hatte, was gemeint ist und weil sie einmal damit gearbeitet hatte.

Wenn Sie sich an dieser Stelle noch weitergehend interessieren, wäre nun das Thema Synästhesie von Bedeutung. Synästhesie ist eine neurologische Besonderheit in der Reizverarbeitung und damit in der Wahrnehmung mancher Menschen. Die von dieser Besonderheit betroffenen Personen erleben, dass sich zum Teil benachbarte Reizverarbeitungszentren im Gehirn an der Verarbeitung von Reizen beteiligen. So kommt es dazu, dass sie Musik sehen können, oder Zahlen nicht nur als Symbole wahrnehmen sondern zusätzlich noch als Farben oder/und Formen. Es kommt vor, dass Betroffene Gefühle parallel zum Empfinden auch noch als Geruch oder als Geschmack erleben. Dies führt zu Aspekten, die wir uns auch im emoflex-Konzept zu Nutze machen.

Synästhesien -

  • führen zu mehr emotionaler Stabilität.
  • verbessern die Erinnerbarkeit.
  • helfen, die innere Orientierung zu behalten oder zu finden.
  • machen Erfahrungen authentischer.

Bei der Übersetzung von Wortbegriffen, Zuständen und Gefühlen und „Formbegriffe“ halten wir uns an Regeln, die auch bei der natürlich vorkommenden, spontanen Synästhesie gelten. Damit wird man kein Synästetiker, aber die Vorteile von Synästhesie werden zum Teil für uns verfügbar und für die Entlastungsarbeit strategisch einsetzbar.

© 2012 durch Johannes F.W. Drischel, alle Rechte vorbehalten. – emoflex®

Zum Thema Synästhesie empfehle ich zwei Bücher:

  • Alexandra Dittmar: „Synästhesien - roter Faden durchs Leben?“, ISBN-13: 978-3899241976
  • Vilayanur Ramachandran: „Eine kurze Reise durch Geist und Gehirn“, ISBN-13: 978-3499619878

Hier ein Link zum Thema:

http://www.synaesthesie.org/1news/Aktuelles

2 Antworten auf “Übersetzen” in Formbegriffe

  1. Pingback: Wau « leidenschaftlichwidersynnig

  2. Pingback: So sad « leidenschaftlichwidersynnig

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>