“Innerer Raum”

Innerer Raum – ein Werkzeug aus der emoflex®-Arbeit

Dissoziation! Was wäre Dissoziation, wenn es nur eine einzige gegeben hätte? Wenn es in unserem Leben nur ein zutiefst irritierendes Ereignis gegeben hätte, dem diese Sonderstellung des Dissoziiert-Werdens zugestanden hätte? Dissoziation wäre dann “die andere Hälfte” des Ganzen.

Dissoziation wäre dann “das Fehlende”!

Ich bin inzwischen sicher, dass wir in jedem Moment ein Bewusstsein davon haben,

  • was uns gefehlt hat und
  • was wir heute sein würden, wenn alles ganz und vollständig gewesen wäre!

Ich bin sicher, dass gerade dieses Bewusstsein um die “andere Hälfte” unser Schmerz ist.

An diesem Bewusstsein entlang treffen wir Entscheidungen, oder wir treffen sie jahrelang eben nicht.

An diesem Bewusstsein entlang baut sich Empathie, Intuition und Courage auf, oder sie verkümmert.

Schauen Sie einmal entlang Ihrer Timeline (Quertimeline) was in Ihren ersten 20 Jahren alles suboptimal war: Zu früh abgestillt? Überforderte oder desorientierte Eltern? In den Kindergarten, einfach weil man drei wurde? Übergriffe? Einsamkeit? Eine falsche Schulentscheidung? Kameradschaft? Partnerschaft? Überforderung?

  • Erarbeiten Sie bitte einmal einen inneren Raum, indem es diese Mängel nicht gegeben hätte. Einen inneren Raum, der widerspiegelt, wie es hätte sein sollen: Welche Luftfeuchte, welche Lufttemperatur herrscht darin? Welche Farbe hat das Licht in diesem Raum und woher kommt es? Welche Ausmaße hat dieser innere Raum und wie klingen Geräusche darin? Welcher Art ist sein Boden, wie riecht es dort? Führen Sie Augenbewegungen aus!
  • Denken Sie nun einmal, wie Sie selbst heute gestimmt wären, wenn Sie ungestört in diesem inneren Raum hätten aufwachsen können! Spüren Sie dieses Lebensgefühl und übertragen Sie es Schritt für Schritt in eine abstrakte 3-dimensionale Form: Welche Größe hat sie? Wie ist sie gefärbt? Spüren Sie ihre Konsistenz, ihre Temperatur, ihre Oberfläche! Bewegt sie sich? Können Sie etwas zu Ihrer Form riechen oder hören?
  • Wo hat diese Form in Ihrem inneren Raum ihren Platz? – Bringen Sie sie genau dorthin, und führen Sie Augenbewegungen aus! Verweilen Sie nun. Nehmen Sie wahr! Hier sind Sie wahrhaft in Ihrem Element. Pflegen Sie diesen Raum, indem Sie ihm Aufmerksamkeit und Zeit widmen! Bringen Sie hin und wieder Übersetzungen von Entscheidungen hierher, die sich nur schwer treffen lassen.

Bringen Sie Übersetzungen von Gefühlen in diesen besonderen Raum, die sich nicht der Wahrnehmung des gerade gelebten Momentes unterordnen wollen. Führen Sie hier Augenbewegungen auf diese mitgebrachten Formen aus. Haben Sie in diesem Raum Mut zur Langsamkeit. Eilen Sie nicht. Lassen Sie sich diese Erfahrungen auf der Zunge zergehen und genießen Sie.

Dissoziation, von außen betrachtet, zeigt uns, was uns fehlt. Von innerhalb der Dissoziation aus gesehen fehlt uns alles andere! Die Welt wird hier geteilt. Aber durch diese Trennwand hindurch hören wir doch noch wie geflüstert, was uns entgeht, was uns vervollständigen könnte. Schemenhaft erahnen wir es in jedem Moment.

Unter Anleitung, und in guten Momenten auch allein, können wir hinüberspringen, dort eine ent-dissoziierte Insel schaffen, bevor es uns wieder zurückreißt! Wir können Erinnerungen über die Grenzen schmuggeln, und wir können synästhetische Fotos machen. Das ist sehr viel! Das sind große Chancen! Arbeiten wir also auf Vollständigkeit zu, wo immer wir können!

© Johannes F.W. Drischel 2011

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